EXTRA: CHRIS HARTMANN SCHREIBT HIER ZU EINZELNEN PUNKTEN DES THEMAS: WIE SCHREIBE ICH EIN BUCH?

Hier sind die wichtigsten Schritte mit Übungen, um ein Buch oder auch eine umfangreiche Geschichte zu schreiben:

1. Schritt
DIE IDEE ist zuerst da. Die Tradition des Erzählens ist eine alte Kulturtechnik und unsere Vorfahren haben sie am Lagerfeuer bereits angewandt. Um Ideen für Geschichten zu haben, braucht man Inspiration oder auch Input, neue Inhalte und Eindrücke. Eine Idee zu einem Buch kann aus einem Zeitungsartikel stammen, einem Gespräch, das man zufällig unterwegs aufgeschnappt hat, oder einer Familienanekdote. Worum soll es also in der Geschichte gehen?

Übung 1: Notiere dazu einen Satz, der aus weniger als 15 Wörtern besteht! Wie würde die Zusammenfassung der Geschichte lauten? Wie würde eine Art Überschrift zum Inhalt des Buches heißen? Beispiel: „Linda zieht in ein geerbtes Haus in Düsseldorf und stößt auf schockierende Familiengeheimnisse des Urgroßvaters.“

2. Schritt
DIE STORY entwickelt sich. Schreibe aus dem Satz einen Absatz, dann eine Seite. Schmücke alles aus, beschreibe die Hauptfiguren und den Konflikt, den sie haben. Wo und wann spielt die Handlung, woran merkt man das? Wie sehen die Figuren aus (Kleidung/Mode) und die Räume/Landschaft, in denen sie sich bewegen? (Auch Wetter kann die Landschaft beeinflussen.)

Übung 2: Wie verändert sich dieser erste Satz, wenn ich ein Detail ändere? Also wenn die Geschichte von einem Mädchen statt von einem Jungen erlebt wird. Oder wenn die Geschichte der Figur statt in Düsseldorf in Barcelona passiert. Variiere die Einzelheiten!

3. Schritt
DER ANFANG taucht mittenrein. Es ist gut, den Roman inmitten der Ereignisse anfangen zu lassen, wenn die Hauptfigur gerade dabei ist, etwas zu tun. Gestaltet das Anfangskapitel so packend und unmittelbar, dass der Leser das Buch lesen will. Später kann man immer noch die Vorgeschichte nachliefern und erklären, wie es dazu gekommen ist.

Übung 3: Schreibe eine Anfangsszene, in die der Leser sofort eintaucht! Das kann ein Ereignis sein, das die Hauptfigur direkt beeinflusst, aber auch ein Streit mit der Hauptperson. So lernt man sie gleichzeitig in ihrer Situation und ihre Nöte kennen.

4. Schritt
DIE SPANNUNG aufbauen. Die Handlung gibt immer nur portionsweise Zusammenhänge und Geheimnisse preis, sie braucht Spannung auf jeder Seite. Jedes Kapitel endet mit einem Cliffhänger (stell dir vor, jemand hängt an einem Cliff, Felsvorsprung), also mit Spannung für den Leser. Das erreichst du mit offenen Fragen, damit der Leser weiterliest. Der Erzählbogen sollte gestaltet sein wie eine Achterbahnfahrt, immer wieder kommt neue Spannung auf.

Übung 4: Der Held deiner Geschichte durchlebt Höhen und Tiefen und stößt immer wieder auf Hindernisse. Dann kommt er wieder der Lösung ein Stück näher. Immer im Wechsel stößt auch im Krimi der Ermittler auf hilfreiche Spuren und falsche Fährten, die die Lösung in die Länge ziehen und so Spannung aufbauen. Schreibe eine Kurzgeschichte (nicht länger als vier Seiten), die diesem Prinzip folgt!

5. Schritt
DIE HANDLUNG ordnet. Aufteilung der meisten Romane: Der erste Akt ist ein Viertel der Geschichte, darin gibt es einen Wendepunkt am Schluss. Der zweite Akt enthält zwei Viertel der Geschichte, den Hauptteil. Darin führen sowohl eine Konfrontation (ein Streit oder Kampf bzw. Hindernisse) als auch wieder ein neuer Wendepunkt zum Höhepunkt der Spannung und damit der Geschichte. Im dritten Akt, der ein Viertel der Geschichte ausmacht, folgen Herausforderungen oder Hindernisse, eine erneute Konfrontation und am Ende die Auflösung.

Übung 5: Ordne deine Kurzgeschichte in die beschriebenen Absätze ein. Wenn sie nicht eindeutig zuzuordnen sind, ändere die Geschichte so lange, bis du sie in die Abschnitte
einteilen kannst!

6. Schritt
DIE CHARAKTERE gestalten. Eine Geschichte braucht eine Hauptfigur/einen Protagonisten und einen Antagonisten, den Gegenspieler. Beide sollten nachvollziehbare Gefühle haben. Mit der Hauptfigur sollte sich der Leser identifizieren können, also ihre Gefühle und Gedanken nachvollziehen können. Ihre Probleme sind den unseren ähnlich, auch wenn die Figur Abenteuer erlebt oder einen Fall löst. Du solltest also deine Figuren kennenlernen. Wie fühlt deine Figur? Wie denkt, handelt und redet sie? Sie sollte aber nicht unbedingt wie du sein, sondern nur echt wirken und für dich und andere nachvollziehbar bzw. verständlich sein.

Übung 6: Romanfiguren sind anders als Menschen im echten Leben. Sie sind nicht so vielschichtig, sondern haben nur ein paar wenige Eigenschaften und Fehler. Außerdem braucht die Hauptfigur ein Ziel. Ziele feuern die Handlung an. Was macht die Figuren unverwechselbar und was haben sie also vor? Beschreibe sie und ihre Ziele!

7. Schritt
DEN RHYTHMUS finden. Kurze Sätze sind manchmal wie Pistolenschüsse in der Nacht und lange können sich ziehen wie Kaugummi. Beide Tempoarten können dir helfen, deine
Geschichte zu erzählen. Sie steuern das Tempo, machen den Rhythmus oder auch die Melodie deiner Geschichte aus wie bei einem Lied. Auch deine Erzählstimme, der Ton der Geschichte, kann die Geschichte sowohl nach „Hofzeremoniell" (gezierte und gestelzte Sprache) als auch nach so genannter „Gossensprache" (unverständlicher Dialekt/Kauderwelsch, raue Umgangssprache, Slang) klingen lassen.

Übung 7: Schreibe eine Fluchtszene mit vielen kurzen Sätzen und eine Segelszene mit vielen langen Sätzen, wobei der Wind nicht aufkommen will oder eine andere Situation, in der die Figuren warten müssen! Erzähle jeweils die beiden Situationen aus der Sicht verschiedener Personen, die eine andere Sprache haben, weil sie anders aufgewachsen sind!

8. Schritt
DAS SCHREIBEN kannst du immer wieder neu tun. Also dauert eine letzte Fassung sehr viel länger als man allgemein annimmt, weil sie oft umgeschrieben wird. Vielleicht funktioniert ein anderes Ende besser als das zuvor geschriebene. Das Manuskript muss überarbeitet werden. Und das bedeutet nicht nur, die Fakten, die Rechtschreibung und die Grammatik zu überprüfen. Sondern das heißt in der Regel kürzen, was die Geschichte nicht braucht. Dialoge und Handlung sind fast immer wichtiger als langatmige Beschreibungen.

Übung 8: Kürze eine alte Geschichte von dir und schreibe sie immer wieder so um, bis sie dir (noch besser) gefällt! Dazu streichst du alle Füllwörter und die Adjektive, die du nicht brauchst und findest besonders passende aktive Verben. Probiere Synonyme aus, also Wörter, die das gleiche nur anders benennen! Weitere Tipps: Benenne die Dinge genau! Ist es ein Apfelbaum oder ein Birnbaum, ein Dackel oder ein Bernhardiner? Um zu sehen, ob die Dialoge authentisch klingen, lese sie laut vor!

9. Schritt
DIE GEDULD aufbringen. Ein Roman für Erwachsene besteht aus 80.000 Wörtern. (Bei Romanen für Kinder ist es ungefähr die Hälfte.) Wenn man am Tag 1000 Wörter schreiben würde, hätte man in etwa drei Monaten eine erste Fassung. Da den meisten aber die Zeit zum Schreiben fehlt und sie stattdessen andere Dinge tun müssen, - sie fordert Arbeit, Studium, Schule, Familie, Freunde und Hobby - liegt es also nicht unbedingt nur am Talent, ein Buch zu Ende zu schreiben, sondern auch ob jemand trotzdem die Zeit dafür findet. Ehrgeiz, Fleiß, die Überwindung des inneren Schweinehundes und Durchhaltevermögen spielen also eine nicht unbedeutende Rolle.

Übung 9: Die Vorstellung, ein ganzes Buch zu schreiben, ist eine Herausforderung, aber wenn man viel und oft schreibt, wachsen die Fähigkeiten und auch die Geschichte. Also wenn es dein Ziel ist, eine längere Geschichte zu schreiben, bleibe dran und schreibe regelmäßig!

Was sonst noch hilft (Ergänzung zum 1. Schritt, wie man auf Ideen kommt)

Vor dem Schreiben: interessante Eindrücke und Informationen sammeln, Ideen aufschreiben, viel lesen, Musik hören (sie befördert Ideen und Fantasie), rausgehen und deine Umgebung in Augenschein nehmen, erleben, reisen, Ausstellungen besuchen, Filme anschauen, sich mit anderen austauschen

Während des Schreibens: Einfach schreiben und die Wörter fließen lassen, korrigieren und ändern kann man immer noch. Also aus dem Herzen heraus schreiben. Dann tauchen innere Bilder auf und das, was man vorher alles an Ideen gesammelt hat. Ideen können sich auch erst einmal komisch anhören und ergeben erst später im Zusammenhang einen Sinn. Es gibt bei Geschichten erst einmal kein Richtig oder Falsch. Gut ist es trotzdem am Anfang schon grob zu wissen, wie die Geschichte zu ihrem Ende kommt.

Weitere Übung: Beim Ideen sammeln alles genau anschauen! Einzelheiten kann man nur beschreiben, wenn man sich alles genau ansieht. Was macht ein Ding aus? Mach ein Foto oder denke an etwas, das du gesehen hast! Dann beschreibe einen Raum, eine Landschaft, einen Gegenstand so, dass andere das Bild nicht bräuchten und meinen, das Beschriebene mit allen Sinnen wahrzunehmen! (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken)

Beispiele dazu: Ein Raum kann nach Bohnerwachs riechen oder nach Räucherstäbchen. Ein Gegenstand kann eine raue oder auch eine spiegelglatte Oberfläche haben. Eine Landschaft kann in Abendlicht getaucht sein, aber auch unheimlich wirken, weil sie in Nebel gehüllt ist. Der Sound aus dem Lautsprecher kann plätschern oder dröhnen. Ein Stück Schokolade kann scharf, süß oder bitter auf der Zunge schmecken. Wie reagieren die Personen, die diese Dinge mit ihren Sinnen erleben?

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